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FILMKRITIK:

Eine Gemeinschaft buddhistischer Zen-Mönche und -Nonnen steht im Zentrum dieser Dokumentation. Sie zeigt den Alltag der Gläubigen im südfranzösischen Kloster „Plum Village“. Dort haben sie sich ganz den Lehren und Theorien des Mönchs und Schriftsteller Thich Nhat Hanh verschrieben, der das Kloster 1982 gründete – und als einer der wichtigsten Repräsentanten des Buddhismus gilt. Das Leben in „Plum Village“ ist geprägt von Enthaltsamkeit und Entsagung. Meditationen, Glaubensrituale und Gebete, bestimmen den Tag. Die Filmemacher Marc Francis und Max Pugh begleiteten die Buddhisten aber auch auf ihrer Reise in die USA. Gemeinsam mit dem 90-jährigen Hanh, diskutieren sie mit anderen Menschen über die existenziellen Fragen des Lebens.

Drei Jahre lang erhielten Marc Francis und Max Pugh Einblicke in den Kloster-Alltag. Ein Kloster, das einsam in der ländlichen Idylle der Region Nouvelle-Aquitaine gelegen ist. „Plum Village“ ist aber nicht nur Gemeindezentrum und buddhistischer Garten sondern wird als Erholungsort immer wieder auch von zahlreichen Touristen und Durchreisenden aufgesucht. Für ihren Film sowie die Vorbereitung, durften die Regisseure auch Hanhs Tagebücher verwenden, aus denen sie den Schauspieler Benedict Cumberbatch ausgewählte Stellen vorlesen lassen.

Ganz genau und ausführlich, beobachten Mark Francis und Max Pugh das alltägliche Treiben von Thich Nhat Hanh, dem Begründer des „engagierten Buddhismus“, und seinen Schülern. Im Laufe der dreijährigen Dreharbeiten, kehrten sie immer wieder zurück ins Kloster, weshalb auch der fertige Film zu rund zwei Dritteln in dem abgeschiedenen buddhistischen Tempel spielt. Und dort wurden die Filmemacher voll ins religiöse Lebens vor Ort integriert.

Und dieses Leben erscheint für westliche Augen zunächst alles andere als abwechslungsreich. Denn die meiste Zeit des Tages beten oder meditieren die Mönche und Nonnen. Eine besonders wichtige Rolle spielt dabei die Meditation im Gehen, darauf spielt auch der Filmtitel an. Aber: die Rituale erfüllen die Gläubigem voll und ganz, denn nur so erreichen sie irgendwann ihr größtes Ziel: das Leid der Menschen umzuwandeln. Dies soll – so die Lehren von Thich Nhat Hanh – auch mit Hilfe von Achtsamkeit und Reinheit geschehen. Dinge wie Besitz oder materielle Güter haben für die Menschen dort keinerlei Wert.

Die Buddhisten wirken dabei jederzeit mit sich und ihrer Umwelt im Reinen. Wenn sie von ihrer Entscheidung berichten, ihre Existenz der Religion widmen zu wollen, dann tun sie das voller Begeisterung und Enthusiasmus. Dabei kommen einige von ihnen direkt aus unserer modernen, hoch technisierten und reizüberfluteten Welt. Relativ zu Beginn des Films sieht man Neuankömmlinge im Kloster, denen kurze Zeit nach der Ankunft die Haare geschoren werden. So sieht es die Lehre vor. Einige brechen wenig später beim Anblick des weltberühmten Buddhismus-Botschafters und Lehrmeisters Hahn, in Tränen aus. Mit solchen und ähnlich emotionalen Momentaufnahmen, garnieren Francis und Pugh ihren Film.

Am interessantesten gestalten sich dann aber jene Szenen, die die Mönche und Nonnen in einer für sie fremd gewordenen Umgebung zeigen. In einem der fortschrittlichsten Länder der Welt: den USA. Spannend sind z.B. die Gespräche, die die Buddhisten in einem Frauengefängnis führen. Dort werden sie – ganz offen und direkt – mit Fragen konfrontiert, die den Mönchen selbst ab und an die Schamesröte ins Gesicht treiben. Und sie zum Lachen bringen. Die Buddhisten entpuppen sich in diesen intimen, teils sehr persönlichen Unterhaltungen als humorvolle, reflektierende und intelligente Gesprächspartner, die glaubhaft vermitteln können, warum ihnen Enthaltsam- sowie Achtsamkeit wichtiger sind als die Verlockungen der modernen Zivilisation.

Björn Schneider