LUX - KRIEGER DES LICHTS


FILMKRITIK:

Torsten Kachel (Franz Rogowski) lebt noch bei seiner Mutter (Eva Weißenborn) in einem Plattenbau in Ostberlin, malocht tagsüber und hat ein ungewöhnliches Hobby: Als Superheld Lux zieht er durch die Stadt und versucht, Gutes zu tun. Was momentan noch bedeutet, dass er Lebensmittel an Obdachlose verteilt. Solche und andere kleine Gesten der Nächstenliebe haben den angehenden Regisseur Jan (Tilman Strauss) auf Torsten aufmerksam gemacht. Doch für die geplante Dokumentation braucht Jan Geld, was ihn zum Produzenten Brandt (Heiko Pinkowski) bringt, der gerade dabei ist, eine neue Internetplattform aufzubauen, für die er Material braucht.


Doch Lebensmittel verteilen und Omas über die Straße helfen ist für Brandts Bedürfnisse nicht sexy genug. Könnte Jan nicht ein wenig nachhelfen, könnte er das Wirken von Lux nicht ein wenig aufregender in Szene setzen? Gesagt getan versucht Jan Torsten in zunehmend wildere Situationen zu pressen, um möglichst sensationelles Material zu sammeln. So lernt Torsten auch die ebenfalls im Kostüm auftretende Stripperin Kitty (Kristin Suckow) kennen, in der er eine verwandte Seele zu erkennen glaubt. Doch zunehmend verliert sich Torsten im Versuch, seiner anderen Identität gerecht zu werden.


Originell ist der Ansatz von Daniel Wilds Debütfilm ohne Frage, auf clevere Weise bedient er sich bei Motiven des Superheldenkinos, parodiert und hinterfragt die Logik der maskierten Helden, die in den besseren Filmen des Genres ebenfalls daran knabbern, zwei Identitäten ausfüllen zu müssen: Einer bürgerlichen Existenz, in der sie normalen Berufen und Tätigkeiten nachgehen und einer geheimen, in der sie in ein Kostüm schlüpfen, um für Gerechtigkeit zu kämpfen. Die psychologische Ebene dieses Doppellebens, das Schlüpfen in eine andere, dem normalen Wesen oft diametral entgegengesetzten Existenz, wäre ein spannendes Thema, das in „Lux - Krieger des Lichts“ jedoch nur als Ausgangspunkt dient.


Mit seiner markanten Narbe an der Oberlippe und seinem leichten Lispeln ist Franz Rogowski zwar ideal besetzt als junger Mann, der seine Unsicherheit im Alltag hinter einer Maske versteckt. Doch die psychologischen Dimensionen dieses Lebens geraten bald ins Hintertreffen, verschiebt Wild den Fokus seines Films zunehmend in Richtung Medienkritik. Als Spielball fremder Herren agiert Lux da bald, sieht sich mal als Held, dann als Witzfigur vereinnahmt, zum kurzzeitigen Star der sozialen Netzwerke gemacht, alles nur, um der Profitgier der klischeehaften Produzentengestalt zu dienen. Allzu schlicht gerät hier die Kritik an der Oberflächlichkeit des Internets und der Medien, die im Wochentakt neue „Stars“ produzieren, wo praktisch jeder mittels besonders bizarrem, Hauptsache ungewöhnlichem Video zu seinen 15 Minuten Ruhm kommen kann. Viel überzeugender, viel berührender sind dagegen die Momente, in denen sich „Lux - Krieger des Lichts“ wirklich auf seine Hauptfigur konzentriert und einen Mann porträtiert, der dem Egoismus der Gegenwart auf sehr persönliche Weise entgegentritt.


Michael Meyns