DAS IST ERST DER ANFANG


FILMKRITIK:

Lässig managt Duke Driver (Morgan Freeman) das luxuriöse Alterswohnheim Villa Capri in Palm Springs. Die dort lebenden älteren Herrschaften lieben ihn. Schließlich organisiert der gut gelaunte Typ eine ausgelassene Party nach der anderen. Besonders bei den Damen kommt der Lebemann gut an. Und selbst an Weihnachten lässt der leidenschaftliche Golfer für sie die Puppen tanzen. Doch dann checkt der coole Ex-Soldat Leo McKay (Tommy Lee Jones) ein. Dass für den Duke extra ein Parkplatz reserviert ist, ignoriert der erst mal geflissentlich.

Und auch Dukes Verehrerinnen finden ziemlich schnell Gefallen an dem poltrig-charmanten Cowboy aus Texas. „Du willst Krieg“, warnt Duke den Neuankömmling. Bald schon entbrennt zwischen den beiden männlichen Alphatieren ein erbitterter Konkurrenzkampf. Dass zu allem Überfluss auch noch die smarte Unternehmensprüferin Suzie Quince (Rene Russo) mit ihrem kleinen Terrier Romeo auftaucht, macht die Sache für Duke nicht besser. Einen Blick von ihr in seine Abrechnungen und die Bücher versucht er umsonst zu verhindern.

Auch mit seinen sonst so zuverlässig wirkenden Verführungskünsten kann er nicht ganz landen. Denn selbst bei ihr versucht ihn der Geschäftsmann Leo eloquent, bildungsbeflissen und tierlieb auszustechen. Erst als Duke von seiner Vergangenheit eingeholt wird, raufen sich die beiden zusammen. Denn die Rache der Mafia verfolgt den ehemaligen Gentlemen-Ganoven gnadenlos. Auch wenn dabei so mancher Anschlag erst mal daneben geht, weil das jüngste Clanmitglied sein Handwerk nicht richtig gelernt hat.

Charakterdarsteller Morgan Freeman zählt längst zur Elite Hollywoods, obwohl ihm sein internationaler Durchbruch erst relativ spät mit der Tragikomödie „Miss Daisy und ihr Chauffeur“ gelang. Schließlich war für einen jungen schwarzen Mann in den Fünfzigerjahren der Weg nach oben alles andere als einfach. Doch mit dem Boxerdrama „Million Dollar Baby“ von Clint Eastwood konnte der inzwischen xxjährige den Oscar als bester Nebendarsteller mit nachhause nehmen. Egal ob Komödie, Actionfilm oder Drama, der Schauspieler - dessen sonore Stimme im englischen Original besonders tief und markant klingt - zeigt auch im Alter, dass mit ihm weiter zu rechnen ist.

Zusammen mit Hollywood-Legende Tommy Lee Jones vereint Regisseur Ron Shelton die zwei Urgesteine Hollywoods in seinem streckenweise mit trockenem Humor gespickten Buddymovie. Der gebürtige Texaner mit seinem zerfurchten Gesicht, kantigen Kinn und grimmigen Blick ist selten in Komödien auf der Leinwand zu sehen. Der begeisterte Polo-Spieler und Pferdezüchter spielte auch in dem von ihm inszenierten ungewöhnlichen Western „The Homesman“ einen wortkargen Outlaw. Der Oscarpreisträger arbeitete mit Hollywoods besten Regisseuren.

Für die Coen-Brüder war er der aufrechte Sheriff in dem Thriller „No Country for Old Men“, für Steven Spielberg der bärbeißige Sklaverei-Hasser Thaddeus Stevens in „Lincoln“. Mehr von seiner lockeren Seite durfte er schon mal in dem Blockbuster „Men in Black“ als Agenten-Duo mit Will Smith zeigen. Dass Ron Shelton in seiner neuen Regie-Arbeit Senioren fernab von Gebrechen und Einsamkeit in sonnigen Gefilden ein angenehmes Leben verbringen lässt, freut einem natürlich. Freilich hat dazu nicht jeder das nötige Kleingeld. Doch das ist wieder eine andere Sache. Und darum geht es bei dieser Hollywood- Komödie sicher nicht. Dafür ist dann schon eher das nächste „Best Exotic Marigold Hotel“-Sequel zuständig.

Luitgard Koch