BARNEY´S VERSION


FILMKRITIK:

Zugrunde liegt Mordecai Richlers erfolgreicher Roman „Wie Barney es sieht“ (Barney’s Version), ein literarisches Werk des Kanadiers, von dem anzunehmen war, dass es nicht gerade leicht zu verfilmen sein würde. Und doch ist es gelungen – mehr als nur gelungen.

Barney und sein Freund, der erfolglose Schriftsteller Boogie, sind betrunken, albern herum, streiten auch. Eine Pistole ist mit im Spiel, Schreckschüsse fallen. Plötzlich ist Boogie verschwunden. Eine Leiche wird zwar nicht gefunden, Barney aber von Constable O’Hare verdächtigt, den Freund ermordet zu haben. Dieser O’Hare ist es auch, der später ein „Enthüllungsbuch“ über den Fall veröffentlicht, ein Grund dafür, dass Barney in einer eigenen Version, eben „Barney’s Version“, die Sache darstellt.

Barney Panofsky ist eine Type für sich: gutherzig aber auch spitzbübisch, liebeshungrig aber auch unzuverlässig, witzig aber auch verletzend, an sich selbst zweifelnd und öfter betrunken als nüchtern, geschäftstüchtig jedoch manchmal kaum zu ertragen.

Seine überaus erfolgreiche TV-Produktionsfirma trägt symptomatischerweise den Namen „Völlig unnötige Produktionen“.

Drei Ehen: Die erste während der mit Freunden und Künstlern verbrachten Zeit in Rom. Clara nimmt es aber mit der Treue nicht sehr genau – bringt sich außerdem um. Die zweite mit einer „höheren Tochter“ aus gut angesehenem und gut betuchtem jüdischem Hause. Doch noch während der Hochzeit verliebt Barney sich unsterblich in Miriam. Er betet sie an, wirbt jahrelang vergeblich um sie. Dann endlich willigt sie ein. Himmel und Hölle macht diese Ehe durch. Bis auch Miriam geht. Gegen Ende seines Lebens wird Barney von der Demenz heimgesucht.

Ein Spitzenroman und ein geglückter Film. Was dieser Barney an Schönem und Schlimmem durchmacht und seinen Mitmenschen zumutet, geht auf keine Kuhhaut. Lebendig, komisch und traurig kommt das alles zum Ausdruck. Jahrelang haben die Filmemacher darauf hingearbeitet. Aber jetzt passt es: die Regie, die Örtlichkeiten, die Milieus, wunderbar ausgebaute Szenen wie das Fest bei Barneys zweiter Hochzeit.

Es musste ein Schauspieler gefunden werden, der dieser facettenreichen Figur Leben einhaucht, den verschiedenen Lebensphasen Echtheit zu verleihen imstande ist, der Glück und Schmerz in gleichem Maße beherrscht. Man hat ihn gefunden: Wie der charismatische Paul Giamatti das hinkriegt, das muss ihm erst einmal einer nachmachen.

In einer köstlichen Rolle mit dabei Dustin Hoffman. Er ist Barneys Vater Izzy Panofsky. Auch die Frauen stellen ihre Rollen sehr treffend dar: außergewöhnlich gut Rosamund Pike als Miriam, dann Minnie Driver als 2. Mrs. Panofsky und Rachelle Lefevre als Clara. Genauso gut Scott Speedman als Boogie sowie Bruce Greenwood als Miriams zweiter Mann Blair.

Thomas Engel